Internationalisierung von Webseiten
– Technische Aspekte

Die Internationalisierung von Webseiten benötigt einige grundlegende Schritte, um eine ausreichende Basis zu schaffen, wie im Blogartikel „Internationalisierungsstrategie – 5 Phasen“ bereits festgestellt wurde. Ein häufig unterschätzter Faktor ist hierbei die technische Umsetzung bzw. Aufsetzung eines geeigneten Content Management Systems. Was hierbei zu beachten ist und welche anderen technischen Faktoren unbedingt zu berücksichtigen sind, wird nachfolgend betrachtet.

Technische Internationalisierung

Da es in diesem Blogbeitrag um die technischen Aspekte einer internationalen Internetpräsenz geht, werden im Folgenden zunächst einige technische Bezeichnungen erklärt und definiert, um ein besseres Verständnis der Materie zu erhalten.

 

Das Numeronym i18n | Internationalisierung

Internationalisierung wird im Englischen mit internationalization bzw. internationalisation übersetzt. Da diese Begriffe etwas lang sind, begegnet man häufig dem Numeronym i18n. Dies stellt die Abkürzung des englischen Begriffes dar, da sich zwischen dem ersten Buchstaben i und dem letzten Buchstaben n 18 weitere Buchstaben befinden.

Je aufwendiger die Internationalisierung, desto mehr Zeit und damit Kosten, werden bei der anschließenden Lokalisierung gespart.

 

Das Numeronym l10n | Lokalisierung

Im Englischen wird die Lokalisierung mit localization bzw. localisation übersetzt. Wie auch bei der Abkürzung der Internationalisierung wird der erste und letzte Buchstabe, inklusive der Buchstabenanzahl dazwischen verwendet, um die Abkürzung zu bilden, sprich l10n.

Für die Internationalisierung bedarf es ebenso einer Lokalisierung. Dies bedeutet, dass ein Entwickler oder Programmierer vorab Variablen statt fest codierten Quellcodes verwendet oder auch, dass länderspezifische Datumsformate und Leserichtungen vorhanden sind, sodass unter anderem Texte von einer Ausgangssprache in eine Zielsprache umgewandelt werden können.

 

Globalisierung

Weltweite Vereinheitlichung von Geschäften, die jedoch kulturell differenziert und abgewickelt werden.

Globalisierung einer Webseite = Internationalisierung + Lokalisierung + mehrsprachige SEO

 

Content Management System (CMS)

CMS steht für Content Management System. Hierbei handelt es sich um eine Software, mit welcher Inhalte für Webseiten oder Intranets erstellt und verwaltet werden. Inhalte können dabei Texte, Videos, Bilder, PDF-Dateien und vieles mehr sein. Diese werden in einem CMS, welches internetbasiert ist und an eine Datenbandanbindung gekoppelt ist, gepflegt (Backend), wodurch einzelne Internetseiten dem Nutzer zugänglich gemacht werden (Frontend).

 

Das richtige Content Management System (CMS)

 

Ziele Definieren und Zielmärkte analysieren

Bevor es an die Umsetzung einer Internationalisierungsstrategie geht, müssen zunächst Ziele definiert und mögliche Zielmärkte analysiert werden. Dies ist wichtig, um über alle Anforderungen Bescheid zu wissen und auf Basis dieser das richtige CMS zu wählen.

Folgende Einflussfaktoren müssen daher bereits bei der Analyse berücksichtigt werden:

  • Budget
  • Struktur und Prozesse des Unternehmens (Ist-Situation)
  • Systemlandschaft im Unternehmen (Ist-Situation)
  • Ziele des Internetauftrittes
  • Zielmärkte und damit Mehrsprachigkeit
  • Welche Inhalte bereitgestellt werden sollen
  • Verwaltung mehrerer Webseiten

 

Grundvoraussetzungen für die Internationalisierung von Webseiten sind:

  • Eine stabile CMS-Systemarchitektur
  • Schnittstellen (APIs) für problemlose Integration in bestehende IT-Infrastruktur
  • Sicherheitsstandards (Trennung von Redaktionssystem und Webseite)
  • Multi-Site-Management
  • Einfache Responsive-Umsetzung

 

Das richtige CMS als Fundament des Webauftritts

Nachdem die Basis durch Analysen und Definition der Ziele abgeschlossen ist, geht es an die Wahl des richtigen CMS. Hierbei ist es empfehlenswert, wenn sich insbesondere Unternehmen, unabhängig von der Größe dieser, von Experten beraten lassen. Dies kann durch unternehmensinterne Entwickler, Programmierer oder externe Digitalagenturen stattfinden.

Es gilt jedoch: ein bereits etabliertes System, wie zum Beispiel TYPO3, WordPress oder FirstSpirit, sollte Eigenkreationen vorgezogen werden. 

Es sollte darauf geachtet werden, dass Datenbanken und das darauf basierende CMS komplett internationalisiert sind, das CMS den Unicode unterstützt, sodass unterschiedliche Sprachzeichen optisch auf verschiedenen Plattformen dargestellt werden können (Unicode-Format UTF-8) und ein Übersetzungsmanagementsystem (TMS) vorliegt bzw. integriert werden kann.

Zudem muss im Voraus geklärt werden, welche Bestandteile sich ändern lassen und welche gleich bleiben sollen, was Einfluss auf die Seiten-Variablen bzw. Seiten-Konstanten hat. Konstanten können beispielsweise Quellcodes, Navigationselemente oder Logos sein, wohingegen eine internationale Währung, regionale Produktportfolios oder Grafiken mit Texten zu den Variablen gezählt werden. Je mehr Variablen es gibt, desto höher ist der anschließende Pflegeaufwand und umso aufwendiger ist die i18n. Denn spätere Anpassungen sind in der Regel mit Mehraufwand sowie Mehrarbeit verbunden, und je nachdem um welche Anpassungen es sich handelt, teilweise auch nicht mehr ohne Weiteres umsetzbar.

 

Der richtige Server

Allgemein lässt sich sagen, dass die Wahl des richtigen Servers stark von den Anforderungen der jeweiligen Unternehmensseiten abhängt. Ob man einen klassischen oder neuerdings ökologischen Host möchte, ist Geschmackssache. Jedoch sollte man stets auf eine optimierte Ladezeit, besser bekannt als PageSpeed, achten. In erster Linie freut dies Internetnutzer und somit auch Google, was sich wiederum positiv auf das SEO auswirkt.

Angenommen, es existiert eine chinesische Webseite und ein deutscher Server liegt zugrunde, wäre es eine Überlegung, ob ein lokales Hosting vor Ort sinnvoll wäre. Denn die Daten müssen physikalisch von einem Server zu einem Rechner des Webseitenbesuchers gelangen. Umso länger dieser Weg ist, desto mehr Einfluss nimmt dies auf die Übertragungsgeschwindigkeit.

Empfohlen werden hierbei sogenannte CDNs (content delivery networks), die es ermöglichen, speicherintensive Daten, wie zum Beispiel Bilder oder Videos, weltweit zu verteilen, sodass stets auf die lokal „nächsten“ Daten verwiesen wird – unabhängig vom Standort des Webseitenbesuchers.

Jedoch ist nicht immer unbedingt die Hardware für einen guten PageSpeed verantwortlich, sondern auch der Seitenaufbau von Webseiten, auf welchen zusätzlich geachtet werden muss.

 

Die richtige Domain

Unter einer Domain wird ein Teilbereich des sogenannten Domain Name System (DNS) verstanden. Ziel ist es, die Benutzerfreundlichkeit zu steigern, indem eine direkte Identität mit dem Land bzw. der Sprache sowie eine Vereinfachung erkennbar gemacht wird. So werden aus der Zahlenkombination “172.217.173.68“, welche die DNS ist, Namen und Wörter, nämlich „google.com“.

Innerhalb des Domain-Vergabeverfahrens wird ein weltweit einmaliger wie auch eindeutiger Name unterhalb einer Top Level Domain (TLD) vergeben. Hierbei können einer Domain weitere Subdomains hinzugefügt werden.

 

Der vollständige Name einer Domain besteht aus der 3rd-Level- (www), 2nd-Level- (musterbeispiel) sowie Top-Level-Domain (auch First-Level-Domain genannt) (.de) – beispielsweise www.musterbeispiel.de und wird als Fully Qualified Domain Name (FQDN) bezeichnet.

TLDs können zwar im Nachhinein verändert werden, jedoch nur, indem eine 301-Redirection eingerichtet wird. Weiterleitungen können eingesetzt werden, sollten jedoch im besten Falle vermieden werden, um eine saubere und einfache Webseitenstruktur für Crawler zu ermöglichen.

Mit einer seriösen TLD wird zudem ein Trust Building für Internetnutzer generiert, was wiederum Einfluss auf Ranking Faktoren nimmt. Eher unseriöse TLD sind beispielsweise Endungen auf info, biz oder zip. Im technischen Umfeld können aber solche Endungen einen positiven Rückschluss erzielen sowie die Suchmaschinenoptimierung fördern, wie z. B.: .io oder .tech.

 

Arten von Top-Level-Domains

  1. Die ursprüngliche und mitunter bekannteste Domainentwicklung wird als gTLD (generic top level domain) bezeichnet und umfasst Endungen, wie zum Beispiel .com, .info, .org oder .net.
  2. Zusätzlich gibt es noch sponsored top level domains (sTLD), die von Regierungen und regierungsnahen Institutionen, wie Museen, verwendet werden: .gov, .int, .coop.
  3. Eine weitere Möglichkeit ist die ccTLD, die country-code top level domain. Diese Form einer Domain dient der eindeutigen Identifikation eines Landes (Geotargeting) und besteht immer aus zwei Buchstaben, also beispielsweise .us, .de usw.

 

Die richtige Domain Strategie für internationalen Erfolg

Im Rahmen der technischen Aspekte der Internationalisierung von Webseiten sollte ein eindeutiges, internationales URL-System festgelegt werden. Hierbei gibt es folgende Domain Strategien, die sowohl ihre Vor- wie auch Nachteile haben:

1. Pro Land eine Domain (Top-Level-Domain-Strategie)
Beispiel: musterbeispiel.uk, musterbeispiel.cn, musterbeispiel.fr.

Hierbei muss vorab unbedingt überprüft werden, ob der gewünschte Domain-Name in den jeweiligen Ländern noch verfügbar ist. Vorteil der Top-Level-Domain-Strategie ist, dass die Domain durch ihre konkrete Landes-Endung einen Vertrauensvorsprung für Suchmaschinen erhält und auch für Nutzer des jeweiligen Landes auf einen Blick geeignet ist. Der zu beachtende Nachteil ist, dass jede Seite unabhängig von der anderen Sprachvariation ist, sodass die Domains innerhalb der Suchmaschinenoptimierung keinen Trust untereinander vererben. So ist es schwieriger Autorität für Google aufzubauen.

 

2. Eine Domain mit Unterordnern (Ordner Strategie)
Beispiel: musterbeispiel.com/uk, musterbeispiel.com/cn, musterbeispiel.com/fr.

Bei dieser Strategie bestehen unterschiedliche Verzeichnisse für Sprachen, sodass länderspezifische URLs gesetzt werden können. Diese Strategie ist sehr beliebt und wird daher häufig empfohlen. Die Ordner Struktur bietet inzwischen viele Vorteile. Da jede Länderversion auf der gleichen Domain liegt, werden Backlinks, interne Verlinkungen und Co. untereinander ausgetauscht und erhalten für die gesamte Domain einen gemeinsamen Autoritätsbeweis mit Trust-Austausch. Ebenso ist die Content Pflege innerhalb eines CMS für alle Länder einfach umzusetzen. Bei einer Ordner Strategie sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die Top-Level-Domain mit der internationalen Endung „.com“ besteht, um die Internationalisierung aus Nutzersicht nicht negativ zu beeinflussen. So fühlen sich Nutzer aus China mit der Domain „musterbeispiel.de/cn“ möglicherweise weniger angesprochen als mit „musterbeispiel.com/cn“

 

3. Eine Domain mit Subdomains (Subdomain Strategie)
Beispiel: uk.musterbeispiel.com, cn.musterbeispiel.com, fr.musterbeispiel.com.

Diese länderspezifischen Subdomains lassen sich kostengünstiger als die Top-Level-Domain-Strategie umsetzen, da die Subdomains nur bei einem Domain Name Server hinterlegt werden und nur eine TLD Adresse im Markt bekannt gemacht werden muss. Falls regionale Unterschiede berücksichtigt werden sollen, wie zum Beispiel deutsch, schweizerisch und österreichisch, sieht die URL jedoch schnell unübersichtlich und unschön aus: de-de.musterbeispiel.de, ch-de.musterbeispiel.de at-de.musterbeispiel.de. Auch bei der Subdomain Strategie tauschen alle Seiten Trust und Autorität aus, jedoch profitieren sie nicht von dem Austausch interner Verlinkungen, da diese hierbei als externe Links gewertet werden.

Nicht selten entscheiden sich Unternehmen für Zwischenlösungen, sodass die wichtigsten Zielmärkte mit einer länderspezifischen Domain (musterbeispiel.de) und alle anderen Märkte auf einer einzigen generischen Domain (musterbeispiel.com) zu finden sind.

Wichtig ist in jedem Fall, dass das Thema Domain nie leichtfertig angegangen wird und bei einer Domainumstellung an vielerlei Faktoren gedacht werden muss. Der Wechsel einer Domain Strategie sollte im besten Fall mit der passenden Online Agentur besprochen werden, sodass alle technischen Aspekte der Internationalisierung einer Webseite berücksichtigt werden.

 

Duplicate Content technisch lösen

Das Vermeiden von Duplicate Content, also doppelter bzw. identischer Inhalt, ist insbesondere für die Suchmaschinenoptimierung (SEO) wichtig, da Suchmaschinen im ersten Schritt nicht mehr differenzieren können, welche Seite den Vortritt in den Rankings erhalten soll. Im zweiten Schritt kann Google diese Inhalte erkennen und abstrafen. Dies bedeutet nicht nur einen negativen Einfluss auf Ranking Faktoren, sondern auch eine mögliche Abstufung der gesamten Domain Autorität.

Die Verwendung von Canonical Tags ist im Seiten-Kontext und für regionale Seitenversionen innerhalb einer Domain eine gute Lösung, um Duplicate Content zu vermeiden. Allerdings reicht dies innerhalb der Internationalisierung von Webseiten oftmals nicht mehr aus. Hier ist auf eine eindeutige Sprachauszeichnung zu achten.

 

Die Sprachauszeichnung einer Webseite findet zum einen im Content-Language-http-Header statt, in welchem die dort angegebene Sprache das entsprechende HTML-Dokument aufweist (Beispiel: <html lang =“de“>). Zum anderen ist jedoch eine weitere und spezifischere Sprachauszeichnungen nötig, die Duplicate Content auf Inhaltsebene verhindert.

Der hreflang-Tag informiert Google über Seiten mit unterschiedlichen Sprach- und

Länderversionen. Damit wird das Verständnis für die Architektur der Seiten positiv beeinflusst. Das Attribut wird nur dann verwendet, wenn in der ausgezeichneten Sprache auch eine entsprechende Version vorliegt. Für jede Sprachversion wird ein Eintrag im <body>-Tag der Seite ausgegeben. Aus dieser wird ersichtlich, um welche Sprache es sich jeweils handelt und unter welcher weiteren URL diese Seite in einer anderen Sprache zu finden ist.

Auch mittels einer länderspezifischen Sitemap, welche pro Sprachversion angelegt wird, kann Duplicate Content potenziell vermieden werden. Je mehr Signale und Anweisungen die Webseite erthält, desto besser können Crawler diese auch verstehen.

Am Ende einer jeden i18n sollte zudem ein Internationalisierungsaudit stattfinden, um sicher zu gehen, dass alle relevanten Inhalte verfügbar sind, alle Seiten-Konstanten sowie - Variablen stimmen und somit der Internationalisierung von Webseiten im Hinblick auf technische Aspekte nichts mehr im Weg steht.

 

Mehr Informationen zu unserer Blogreihe „Internationalisierung“ gibt es hier:

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